Tag Archives: VDI

Die Ära der Ökologie – Eine Weltgeschichte – Buchrezension


Nicht erst seit es Widerstand gegen die deutsche Atomkraft im Schatten der Reaktorkatastrophe von Japan gibt, hat sich die Umweltbewegung als
integraler Bestandteil unserer Gesellschaft manifestiert. Immer mehr wirtschaftliche Entscheidungen werden unter Berücksichtigung der Umweltauswirkungen und unter Einbeziehung der relevanten Umweltgruppen vollzogen. Joachim Radkau versucht im vorliegenden Buch die Geschichte
der Umweltbewegung von den Ursprüngen im 18. Jt, über das weithin vergessene Thema Waldsterben bis hin zur aktuellen Atomdebatte zu
erzählen. Dabei liegt der Fokus auf den internationalen Aktivitäten und Spannungen in den letzten vierzig Jahren. Heutzutage profitiert die Bewegung
von einer starken Vernetzung, die kleinere lokale Aktivitäten als Bestandteil eines globalen environmentalism fördert. Besonders anhand von
Quellenvergleichen und Büchern zeigt der Autor die ökologische Revolution der 1970er Jahre auf. Mit den Hintergründen des Club of Rome oder der
Entstehungsgeschichte des in den USA populären Earth Day, zeigt Radkau internationale Entwicklungen und Strömungen im Lichte der Geschichte
auf. Auch das allgegenwärtige Thema von Ökologie und Ökonomie wird historisch erneut aufgerollt. Die „grüne Aufklärung“ ist dabei Teil der Geschichte
geworden und wird sich gerade im Zuge der aktuellen Debatten um Energiewenden und CO2-Preise weiter in der Gesellschaft und unserer
Geschichte manifestieren. Ein gut recherchiertes Buch mit wissenschaftlichem Anspruch.

Wolfgang Berger für die VDI-Mitgliederzeitschrift Technik in Bayern, Ausgabe 5/2011

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CO2 – Lebenselixier und Klimakiller in der Reihe „Stoffgeschichten“ – Buchrezension


Die Reihe Stoffgeschichten des Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg, widmet sich der Geschichte und Bedeutung von Alltags-Stoffen die uns täglich umgeben. Der vorliegende fünfte Band der Reihe beschäftigt sich mit einem unsichtbaren, aber wichtigem Begleiter der Menschheit – dem Kohlendioxid. CO2 ist mittlerweile wahrscheinlich die weltweit bekannteste Chemische Formel. Viele wollen das Gas um jeden Preis loswerden oder manche
sich sogar davon „freimachen“. Doch wie kam es dazu und welche Rolle spielt CO2 in Umwelt und Technik? Gerade CO2 ist ja als Klimagas in aller Munde. Es scheint, als müsste man diesem Gas den Kampf ansagen. Doch der Stoff hat unendlich viele Facetten mehr. Als Ausgangspunkt der Photosynthese ist er der Anfang allen Lebens auf der Erde. Dabei wird die Geschichte von CO2 aus verschiedenen Blickwinkeln von unterschiedlichen Autoren anschaulich erzählt. Praktische Anwendungen, wie die technische Reinigung mit CO2 finden dabei ebenso Eingang wie die Berechnung der täglichen CO2-Bilanz des Bürgers. Einen Gutteil der Ausführungen widmen die Autoren der Klimarelevanz des Stoffes. Dabei werden die Entstehung, die Verwendung und die Zukunft im Umgang mit Kohlendioxid beleuchtet. Auch praktische Experimente und
Spaziergänge machen den Stoff erlebbar. Nicht nur im Kontext der aktuellen Betrachtung von CO2 als Treibhausgas ist das Buch eine abwechslungsreiche
Lektüre.

Wolfgang Berger für die VDI-Mitgliederzeitschrift Technik in Bayern, Ausgabe 2/2011

28. Deutscher Logistik Kongress Berlin


Der nunmehr 28. Deutsche Logistikkongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) fand 2011 unter dem Motto „Flexibel – Sicher – Nachhaltig“ in Berlin statt. Drei Tage lang konnten sich dort Logistikdienstleister und Kunden aus Handel, Gewerbe und Industrie austauschen. Neben einer begleitenden Fachausstellung waren wieder die Vorträge und Foren der Hauptanziehungspunkt der Veranstaltungen.

Die Schwerpunkte des Kongresses ergaben sich aus den konjunkturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dabei stehen die Bedingungen trotz drohender Konjunkturflaute günstig für die Logistik. Die Netze sind ausgelastet und die Nachfrage nach Transporten und logistischen Dienstleistungen scheint ungebrochen. Zudem werden in den kommenden Jahren auch in Europa starke Wachstumsraten prognostiziert. Dabei schätzt der BVL, dass sich der Umsatz des Wirtschaftsbereichs Logistik in 2011 auf ca. 220 Milliarden Euro erhöht.

Ein brennendes Thema – gerade im transportierenden Gewerbe – ist der Fachkräftemangel. Zum zunehmenden Bedarf an Fahrern und Fachkräften, kommt der unglückliche Umstand, dass mit dem Wegfall der Wehrpflicht viele gut ausgebildete Fahrer fehlen, die bisher mit Lkw-Führerschein aus der Bundeswehr ausgeschieden sind und somit direkt in die Wirtschaft gehen konnten. Viele Stellen können aber auch in Führungspositionen nicht mehr besetzt werden. Der Fachkräftemangel gilt für viele Unternehmen als Erfolgsrisiko. Gut drei Viertel der Unternehmen können offene Stellen passend besetzen.

Die Logistik-Dienstleistungen nehmen zunehmend an Komplexität zu. Ganze Bereiche, von der Konzeption bis zur Vorfertigung von Waren, werden von Unternehme an den Logistikdienstleister ausgelagert. Ein Schlagwort des Kongresses war das „Magische Dreieck“. Es sollte die Wechselwirkungen zwischen Sicherheit, Flexibilität und Nachhaltigkeit von Lieferketten aufzeigen. Dabei muss der Logistiker trotz steigender Anforderungen wie Sicherheit oder Internationalisierung seine Ressourcen optimal einsetzen. Dies setzt natürlich auch höhere Anforderungen an die Mitarbeiter voraus. Nach wie vor steigen auch die Anforderungen an umweltverträglichere Transporte und Dienstleistungen. Vor allem der Carbon Footprint wird dabei zunehmend Bestandteil von Ausschreibungen bzw. lokale Anforderung von Partner, Kunden und Gesetzgebern. So wird beispielsweise Frankreich 2013 ein Gesetz auf den Weg bringe, den jeweiligen CO2-Ausstoss einer Transportdienstleistung verpflichtend auf der Rechnung auszuweisen.

Die vielen Foren und Rahmenprogramme ermöglichten auch dieses Jahr wieder einen regen und offenen Austausch.

 

Erschienen in der Ausgabe 01/2012 der VDI-Mitgliederzeitschrift Technik in Bayern.

Smart Grid – Revolution oder Evolution?


Für die Mehrzahl der Menschen in den Industriestaaten ist eine sichere und unterbrechungsfreie Energieversorgung selbstverständlich. Der radikale Umbau des deutschen Kraftwerksparkes durch den Wegfall der Atomkraftwerke mag so manchen zweifeln lassen, ob diese sichere Versorgung – zumindest für Elektrizität – auch in Zukunft Bestand haben wird.

Doch nicht nur in Deutschland wird die Energiebereitstellung umgebaut. Neben dem massiven Ausbau Erneuerbarer Energien geht es vor allem um eine effizientere Nutzung und Verteilung der bereits verfügbaren Energie. Vielerorts werden neue Infrastrukturmaßnahmen beschlossen.
Die jüngste Ankündigung der Deutschen Netzbetreiber, nun “Stromautobahnen” durchs Land zu ziehen, um die Windfelder im Norden und eines Tages den Sahara-Strom aus dem Süden anzubinden, ist nur die logische Konsequenz aus dem sich bereits vollziehenden Wandel. Aber auch die geplante Integration von Millionen von Elektrofahrzeugen in die europäischen Stromnetze bringt so einiges Kopfzerbrechen mit sich. Geht es dabei aber nur um einen Medienhype? Versuchen Politik und Konzerne von ganz anderen Fragen abzulenken?
Fest steht, dass die Evolution hin zu einer neuen Versorgungstruktur schon begonnen hat. Ein wichtiger Schritt dazu ist eine neue Steuerungs-Struktur, die neue Hardware und die steigende dezentrale Erzeugung mit den heute verfügbaren Kommunikationsmöglichkeiten verknüpft. Bei diesem sog. Smart Grid geht es um eine Vielzahl von Einzelaspekten auf unterschiedlichsten Ebenen – vom Energieerzeuger (der heute ja auch Privatmann sein kann), der Distribution über die Abrechnung bis hin zum Verbrauch. Solche neuen Netze sind weltweit bereits aufgebaut – nicht immer zum Vorteil aller Beteiligten.
Neue Energienetze haben, ähnlich wie neue Kommunikationstechnologien gewisse Vor- aber auch Nachteile in Qualität und Sicherheit. In Deutschland bzw. der Europäischen Union sind bereits Gesetzesgrund­lagen geschaffen worden, um die Bausteine für die neuen Technologien bereitzustellen. Zwar müssen in Neubauten in Deutschland bereits die “intelligenten” Zähler eingebaut werden. Konkrete Angebote, neue innovative Tarife zu nutzen, sind aber gerade für den Privatverbraucher noch immer Mangelware. Von intelligenten Endgeräten ganz zu schweigen. Zwar gibt es sowohl im Privat- und vor allem auch im gewerblichen Bereich Vorreiter mit konkreten Lösungen. Die Vielzahl der Unternehmen ist aber immer noch in Lauerstellung. Keines will den ersten Schritt machen und zu viel verraten bzw. einen Schritt in die falsche Richtung wagen. Dies ist aber auch die Chance für innovative Unternehmen, die bestehenden Lücken zu erkennen und mit neuen Lösungen auf den Markt zu gehen.
Das vorliegende Heft zeigt die Vielzahl der bestehenden Ansätze, die vorherrschenden Probleme, aber auch innovative Lösungen auf. Oft handelt es sich bei den Lösungen um die konsequente und logische Weiterentwicklung bestehender Ansätze und Strukturen. Die wirkliche Revolution steckt im Wort “Grid”, also im eigentlichen Netzgeflecht mit all seinen Akteuren, in dem jeder einzelne Baustein flexibler und damit intelligenter werden muss. Erst die durchgängige Verzahnung der einzelnen Ebenen schafft wirklichen Mehrwehrt für die Akteure – und vor allem für den Endverbraucher.

Dipl.-Ing. Wolfgang Berger

Erschienen als Editorial im Heft 6/2012 der VDI-Mitgliederzeitschrift
Technik in Bayern.

Link zur Ausgabe “Smart Grid”

Bayern als nachhaltiger Logistikstandort


Das Kooperationsforum ‚Logistikstandort Bayern – attraktiv und nachhaltig!‘  des Logistik Cluster von Bayern Innovativ  brachte am 20. August in der IHK Augsburg Akteure in der Logistik zusammen. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Darstellung der Vorzüge  der Logistikstandorte in Bayern

Gerade Bayern – und im Schwerpunkt die Regionen des Großraums München sowie der Region Schwaben (Augsburg und Ulm) –  bietet sich zentral gelegen als vorteilhafter Logistikstandort an. Der erste Programmpunkt des Tages war die Besichtigung des neuen Güterverkehrszentrums Augsburg und der dort vorhandenen Infrastruktur.

Lage, Lage, Lage

Zentrales Thema der Veranstaltung war die geographische Lage von Standorten in den unterschiedlichen Logistikbetrieben. Eine Detailstudie der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS) aus Nürnberg stellte die Ergebnisse in Form einer aufschlussreichen Landkarte dar, die sowohl bestehende Standorte in Deutschland lokalisierte, als auch aufstrebende Regionen ausmachte. Aus Sicht von Betreibern, Investoren und Nutzern von verschiedensten Logistikeinrichtungen (Lager, Transporteure, Dienstleister,…)   wurde das Thema differenziert dargestellt. Der  Einfluss der Wirtschaftskrise war für die meisten Akteure deutlich zu spüren, was sich in den gesunkenen Investitionen und eher moderaten Steigerungsraten beim Güterverkehr deutlich machte.

Nachhaltigkeit in der Logistik

Der Begriff Nachhaltig wurde im Sinne einer nachhaltigen wirtschaftlichen Standortpolitik ebenso verstanden wie im Sinne der Umweltverträglichkeit. So wurden im Bereich Logistikimmobilien Praxisbeispiele erörtert. Der Hinweis auf die zunehmende Wichtigkeit der Umweltverträglichkeit wurde sowohl  den Vorträgen der Praktiker herausgestellt als auch seitens der Institutionen und Vergände. Die Anforderungen und Anfragen nehmen hier sowohl von öffentlicher und politscher Seite zu, als auch aus Sicht von Markt und Wettbewerb. Zunehmend wird beispielsweise in Ausschreibungen ein CO2-Nachweis gefordert.

Abgerundet wurde das Vortrags- und Exkursionsprogramm durch eine begleitende Fachausstellung der beteiligten Firmen und Institutionen.

Auch veröffentlicht in der Ausgabe 6/2010 des VDI-Magazines ‘Technik in Bayern’ des BV München

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